Verschiedenes
Eine kleine Methodenlehre
- in leicht verdaulichen Häppchen mit Eigenbeteiligung
"Ich werde Schritt für Schritt ein Online-Tutorial der Methodenlehre entwickeln und wichtige Elemente der Methodenlehre für Mediziner und medizinisch Interessierte, für Journalisten und methodische Laien und Studierende präsentieren. Am Ende wird daraus ein kleines Studienkompendium. Gastbeiträge sind herzlich willkommen. Ich werde versuchen, jede Woche einen neuen Beitrag zu schreiben kann es aber nicht versprechen." Harald Walach
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Verschiedenes
Bettina Reiter "Komplementarität: Ergänzungsfähigkeit und Gegensätzlichkeit"
Was verstehen wir unter Komplementarität? Dazu ein "kleines" Plädoyer für den Wert der Intuition in der therapeutischen Arbeit
J.L.Baur eröffnet in seinem Guest Editorial zukunftsweisende Perspektiven für Homöopathen und Allopathen [38 KB]
Äusserst lesenswert!
Komplementärmedizinische Forschung am Beginn einer neuen Epoche- Verbinden und Differenzieren
“Am Beginn einer neuen Epoche - Verbinden und Differenzieren”. So lautet der Titel des Editorials von Prof. Harald Walach in der ersten Ausgabe des Jahres 2007 der Zeitschrift Forschende Komplementämedizin. In diesem Editorial reflektiert Harald Walach die Anfangsjahre der komplementärmedizinischen Forschung und entfaltet einen meines Erachtens richtungweisenden Ausblick auf weitere spannende Jahre der komplementärmedizinischen Forschung im Kontext der Entwicklung einer integrativen Heilkunde.
Zitat Harald Walach: “ Wissenschaft ist einfach ein spannender, ein historisch einmaliger und oft auch ein sehr witziger Prozess (wir merken es nicht immer: aber die Geschichte hat auch viel Humor). Mir scheint, ein Schlüssel, um diesen Prozess mitzubestimmen (und den Humor zu verstehen), ist das dialektische Denken und innerhalb dessen das vielleicht komplementäre Paar «Verbinden und Differenzieren». Verbinden und zusammenschliessen: untereinander sowie mit den vermeintlich anderen und Feindlichen; gleichzeitig differenzieren und seine Eigenheit behaupten: untereinander, indem wir keinen Einheitsbrei kochen, aber auch nach außen, indem wir unsere Stärken und Eigenarten behalten. Damit können wir auch einen wichtigen Gegenpol setzen zu dem linear-spalterischen Denken, das die Welt in richtig und falsch, gut oder böse einteilt und dessen fatale Folgen wir allenthalben sehen.”
Buchrezension: ”Homöopathie in der Krankenversorgung - Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit”
Mit der Publikation von Gudrun Bornhöft und Prof. Peter Matthiessen erhält die Öffentlichkeit ein Grundlagenwerk zum Stand der Forschung in der Homöopathie, wie es bis dato noch nicht vorgelegen hatte. Das Buch stellt einen sogenannten HTA-Bericht (Health Technology Assessment) zur Homöopathie dar, den die Schweizer Regierung im Rahmen eines Programms zur Evaluation der Komplementärmedizin (PEK) in Auftrag gegeben hatte. Dieses Programm wurde aus politischen Gründen vorzeitig abgebrochen, was unter anderem zur Folge hatte, dass die Homöopathie nicht in die öffentliche medizinische Versorgung der Schweiz aufgenommen wurde. Eine rein politische Entscheidung, die nicht auf wissenschaftlichen Daten basierte, wie Harald Walach in seinem Beitrag ”Much ado about nothing: The recent homeopathy debate” berichtete. Hier liegt uns nun der in Buchform publizierte vollständige HTA-Bericht vor, der zu der Schlussfolgerung gelangt „Die Wirksamkeit der Homöopathie kann unter Berücksichtigung von internen und externen Validitätskriterien als belegt gelten, die professionelle sachgerechte Anwendung als sicher. (Quelle: Forschende Komplementärmedizin 2006;13 (suppl 2):19–29.)
Der unschätzbare Wert dieses Buchs liegt aber nicht in dem für die Homöopathie erfreulichen Ergebnis, sondern wie der Verleger auf dem Buchrücken schon hervorhebt, in seiner inhaltlich differenzierten Bewertung der homöopathischen Praxis. So entfaltet sich einem der gesamte Bewertungsprozess Kapitel für Kapitel in transparenter und somit nachvollziehbarer Art und Weise, was schlussendlich dazu führt, dass man am Ende einen tiefen Einblick in die Schatzkammer der modernen komplementärmedizinischen Forschung geworfen hat, und sich ganz nebenbei Begriffe wie externe und interne Validität, Modellvalidität, Bias etc. zu eigen gemacht hat.
Persönlich am meisten begeisterte mich das Kapitel 9, die Übersicht über systematische Reviews zur klinischen Wirksamkeit der Homöopathie, die anhand klarer Ein- und Ausschlusskriterien die Fülle der systematischen Reviews bewertet und ausführlich kommentiert. In Kapitel 9.5 Diskussion und Konklusion schliessen die Autoren Bornhöft und Ammon diesen Abschnitt mit dem Hinweis, dass die grosse Mehrzahl der systematischen und weiteren Reviews im Hinblick auf die äussere Anerkennungsfrage der Homöopathie (nach schulmedizinischer Methodik) im Sinne einer Rechtfertigunsforschung durchgeführt wurden. Dies ist der wesentliche Grund für das Desinteresse des Großteils der Homöopathen gegenüber der aktuellen Forschung, da die Ergebnisse selten zum Nutzen der homöopathischen Praxis sind.
Nichtsdestotrotz möchte ich allen praktizierenden Homöopathen nebst den Leistungsträgern und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen und allen privat oder beruflich mit der Komplementärmedizin zu tun habenden Interessenten das Buch dringend ans Herzen legen, um mit dessen Hilfe einen großen Schritt zu tun in der Zukunft gute Wissenschaft von (wie sie Peter Fischer, medizinischer Leiter des Royal London Homoeopathic Hospitals nennt) politisch motivierter „BAD SCIENCE“ wie der Shang Meta-Analyse des Lancet im August 2005 unterscheiden zu können. Zur Erinnerung: Im Lancet wurde auf der Grundlage von sage und schreibe nur 8 Studien (!!!) das Ende einer Therapierichtung mehr gefordert als argumentativ begründet.
Homöopathie in der Krankenversorgung
Gudrun Bornhöft, Peter F. Matthiessen et al.
VAS Verlag für Akademische Schriften, 24,80 Euro